Guido Ingendaay: Training und Coaching

METHODEN

Gemeinschaftsbildung

Die Gemeinschaftsbildung geht auf den amerikanischen Therapeuten und Schriftsteller Scott Peck (1936 - 2005) zurück, der in den 70-er Jahren aus seinen Erfahrungen mit Gruppen und vor dem Hintergrund von Krieg und gesellschaftlichem Umbruch einen Prozess zur Förderung authentischer Begegnung und aktiver Gemeinschaft entwickelte.

Das Problem des schroffen Individualismus

Ob in der Familie, im Freundeskreis, im Arbeitsteam einer Firma oder im Sportverein - Menschen können vieles zusammen tun, ohne wirklich miteinander zu sein. Echtes Miteinander ist gekennzeichnet durch Vertrauen, Offenheit und Verbundenheit. Echtes Miteinander stärkt den Einzelnen in seiner Selbstentfaltung und ebnet den Weg für die Bewältigung gemeinschaftlicher Aufgaben.

Viele Bereiche unserer Gesellschaft sind jedoch stark von Konkurrenz, Machtkämpfen, Einsamkeit und Rückzug geprägt. Scott Peck nannte diesen Zustand "schroffen Individualismus". Damit meinte er die Haltung des typischen Erwachsenen, der seine Verletzlichkeit verbirgt und in seinen gesellschaftlichen Beziehungen eine Rolle spielt, die ihn stark, souverän und besonders erscheinen lässt.

Dieses - oft unbewusste - Rollenspiel ist der Grund dafür, dass in vielen privaten und beruflichen Beziehungen echte Kommunikation oft nicht so stattfindet, wie es wünschenswert wäre. Zwar bemühen sich immer mehr Menschen darum, „richtig“ zu kommunizieren, doch irgendwie geht das alte Spiel unter neuen Vorzeichen weiter: es wird korrekt kommuniziert, aber die Angst vor Ablehnung und das vergebliche Ringen um Anerkennung bleiben bestehen. Die Sehnsucht nach Begegnung erfüllt sich nicht.

Gemeinschaft - Begegnung in Selbstverantwortung

Im Leben entsteht echte Gemeinschaft spontan vor allem in Krisenzeiten, wenn sich Menschen, die sich in einer gemeinsamen Notlage befinden, auf ihre gemeinsamen Interessen besinnen und die übliche Zurückhaltung aufgeben, offen aufeinander zugehen und einander beistehen.

Die Gesetzmäßigkeiten von Gemeinschaften sind jedoch inzwischen so weit erforscht, dass die Bildung echter Gemeinschaft nicht dem Zufall überlassen bleiben muss. Workshops in Gemeinschaftsbildung schaffen Bedingungen, die unter den Teilnehmenden authentische Begegnung und die Entstehung von Gemeinschaft begünstigen. Eine zentrale gemeinschaftsförderliche Bedingung besteht darin, dass es keine direkte Leitungsfigur gibt, die das Geschehen steuert. Jeder Teilnehmende ist für das Gelingen des Prozess mitverantwortlich ("group of all leaders").

Denn Gemeinschaft kann nur dort entstehen, wo die Menschen sich ihrer Selbstverantwortung und Freiheit bewusst werden und von sich aus aufeinander zugehen. Da dies vor dem Hintergrund des schroffen Individualismus mit Ängsten, Zweifeln und Unsicherheiten verbunden ist, ist der Prozess der Gemeinschaftsbildung darauf angelegt, einen sicheren Raum zu schaffen, in dem jeder dies nach seinen Möglichkeiten und auf seine Weise tun kann.

Viele Menschen haben im Laufe ihres Lebens negative Gemeinschaftserfahrungen gemacht, die sie darin bestärken, sich vor allem auf sich selbst und allenfalls den engsten Familien- oder Freundeskreis zu verlassen. Sie fürchten, dass Gemeinschaft zwangsläufig mit Anpassung oder Machtkonflikten verbunden sein muss.

Die Gemeinschaftsbildung nach Scott Peck führt über das Dilemma "Entweder ich gehe in der Gruppe unter oder ich ziehe auf mich selbst zurück" hinaus. Verbundenheit und Authentizität gehen Hand in Hand mit Selbstverantwortung und Autonomie. Gruppen, in denen ein echter Gemeinschaftsgeist entstanden ist, sind gleichermaßen fähig zu Anteilnahme und Zuwendung wie zu Reflexion und kritischer Auseinandersetzung. 

Wie funktioniert der Prozess der Gemeinschaftsbildung?

Der Prozess der Gemeinschaftsbildung ist ein offener Gesprächsprozess, der sich ohne Themenvorgabe aus dem aktuellen Erleben der Teilnehmenden und ihrem Aufeinander-Eingehen ergibt. Die dabei spontan auftauchenden Themen und Gefühle, Irritationen und Einsichten bringen eine intensive Kommunikationsdynamik in Gang, in der sich die Teilnehmenden mit ihre individuellen Ängsten, Sehnsüchten, Schwächen und Stärken wiederfinden.

Der Gruppenprozess wird zum Spiegel für sich selbst und zum Experimentierfeld für echte Begegnung. Gefördert wird dieser Prozess durch geschulte BegleiterInnen (FazilitatorInnen). Ihre Rolle besteht darin, Orientierung und Raum für einen offenen Erfahrungs- und Lernprozess zu schaffen und Zwischenfeedbacks zu geben, die die Teilnehmenden auf ihrem Weg zur Entdeckung ihrer Gemeinschaftsfähigkeit unterstützen.

Die Gemeinschaftsbildung wird nicht geleitet, sondern begleitet. Begleiter haben die Aufgabe, den Prozess empathisch und konstruktiv mitzuverfolgen. Durch Zwischenfeedbacks unterstützen sie die Teilnehmenden auf ihrem Weg zur Vertiefung ihres Selbstbewusstseins und ihrer Gemeinschaftsfähigkeit.

Jeder Prozess läuft auf seine eigene, unvorhersehbare Weise ab. Teilnehmende finden entsprechend ihrer eigenen Entwicklungsbedürfnisse vielfältige Anregungen, in einen echteren, tieferen Kontakt zu sich und anderen zu kommen. Das gemeinsame Erleben von Widerständen und ihrer Überwindung setzen spontan mehr Klarheit, Verbundenheit, Herzlichkeit und Intuition frei. Nicht umsonst nennt Scott Peck den gemeinschaftsbildenden Prozess ein „Laboratorium für Abrüstung“.

Angebote zur Gemeinschaftsbildung

Ich biete offene und interne Workshops an.

Offene Workshops sind als solche ausgeschrieben und können von Einzelpersonen zur Vertiefung ihrer Kommunikations- und Beziehungsfähigkeit und zur Selbstentfaltung genutzt werden. Sie eignen sich für Menschen, die ...


Interne Workshops können beispielsweise von Wohn- und Lebensgemeinschaften oder von Teams und Belegschaften gebucht werden. Sie sind hilfreich, wenn das Team oder die Gruppe ....




Weitere Infos hier